Veröffentlicht in Zeitgeschehen

Wühltischwelpen …

… oder das elendige Leid der Vermehrerhunde.

In den Augen mancher Tierschützer gilt man ja als seriöser Züchter schon als Vermehrer, da die in- und ausländischen Tierheime schließlich voll und dort Hunde zu retten, statt Züchter teuer zu bezahlen seien. Nun – das ist sicher nochmal ein eigenes Thema wert. Aber ich bin nicht nur Züchter, sondern in erster Linie Hundehalter und habe ja nun meine eigenen Käufererfahrungen hinter mir und meine ganz private Hundehalter-Meinung zu dem Thema. Blenden wir also hier aus, dass ich auch ein Züchter bin.

Jeder aktive, aufmerksame und informierte Hundefreund weiß gleich, um was es geht und welche Machenschaften hinter der „Produktion“ der sog. Wühltischwelpen stecken. Es scheint unfassbar, dass es immer noch Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen gibt, die nicht wissen was sie mit einem solchen Welpenkauf in Gang setzen, oder schlichtweg die Augen davor verschließen.

Warum aber ist das so?

Der aufmerksame und aktive Hundefreund steckt meist in einer oder mehreren Communities, die sich um den Hund drehen. Seien es reale Gruppen, wie die Hundeschule, der Hundesportverein oder Gassi-Runden, oder seien es virtuelle Gruppen, wie Foren, Facebook etc. In diesen Communities sind die grausigen Bilder kranker Welpen und kranker, verletzter und vernachlässigter Elterntiere in verdreckten Verschlägen längst jedem Mitglied schmerzhaft im Kopf eingebrannt. Hier weiß man Bescheid. Das Thema kocht immer wieder mal neu hoch, sei es durch einen aktuellen Zeitungsbericht über geschmuggelte und beschlagnahmte Welpen, oder jetzt top aktuell durch die Ausstrahlung bei Stern TV auf RTL am 8. Februar um 22:15 Uhr:

Stern TV – Das skrupellose Geschäft mit kranken Hundewelpen

Hier geht es nichtmals um Kofferraumwelpen aus Osteuropa, sondern um den skrupellosen Vermehrer von nebenan. Hier bei uns. Hier in Deutschland.

Mit ein bisschen Glück schauen diesen Bericht nicht nur bereits aufgeklärte Hundefreunde, sondern auch die Klientel, die eben diesen Vermehrern klassischerweise auf den Leim geht. Aber wer sich auf das Glück verlässt, der ist wohl meist verlassen. Es ist schon ein kleines Phänomen, dass derartige Infos selten die erreichen, die sie hören sollen. Weil sie vielleicht eher Sitcoms schauen, oder Dschungelcamp (es ist sicher keine Schande das zu schauen, solange man noch eine andere Realität anerkennt), oder weil sie bei kritischen, unbequemen Themen ohnehin gerne schnell weiter zappen. Es bleibt dabei – die Information erreicht nicht die Menschen, die sie bitter nötig hätten.

Wir drehen uns also weiter im Kreis – das Elend hört nicht auf, wir sind ein ums andere Mal fassungslos und fragen uns immer und immer wieder, warum die Leute es nun bitteschön nicht begreifen!? Dabei liegt die Antwort ja auf der Hand – sie sind nach wie vor uninformiert, oder es ist ihnen schlichtweg (wissentlich) scheißegal, da sie einen tief verwurzelten Mangel an Empathie haben, den wir bzw. die Gesellschaft nur schwer heilen können.

Wendet man sich nun der uninformierten Bevölkerung zu wird man vermutlich feststellen, dass in dieser auch noch ein großer Anteil derer steckt, die zur empathiefreien „Scheißegal-Fraktion“ gehören. Denn Informationen muss man auch an sich ran lassen wollen, muss sich öffnen, zuhören. Information ist lästig, da sie einen oftmals zu Entscheidungen zwingt. Sie zwingt sich mit unbequemen Dingen auseinanderzusetzen. Es ist ja leichter zu sagen, „das habe ich nicht gewusst“, als zu sagen „das habe ich zwar gewusst, aber habe aus dem und dem Grund anders entschieden“. Sich dann rechtfertigen zu müssen, ist nicht schön. Da werden die eigenen – sicher nicht unbedingt leicht gefallenen – Entscheidungen in Frage gestellt. Ich habe das nicht gewusst – ja, das ist einfacher. Denkt der bequeme Mensch. Oder der dumme. Oder beide. Geht ja oftmals Hand in Hand. (Ist übrigens in der Zucht nicht anders.)

Dennoch könnten sicher viele Menschen erreicht und zur Abwendung bewegt werden, wenn man sie nur finden könnte. Sie bewegen sich nicht in den gleichen Communities, ihr Bekanntenkreis hat oftmals selbst keine Hunde, oder wenn, dann vermutlich nicht mit einem Stellenwert, wie unsere es in unseren Familien haben. Es sind Hunde. Sie sind für die Kinder da, für die eigene Seele, da Hunde zu streicheln Glückshormone freisetzt. Sie haben kein Beschäftigungsprogramm, außer der nötigen Gassirunde und spielen keine nennenswerte Rolle in Familie und Alltag.

Meist sind es Kleinhunde Rassen, wie Mops, Chihuahua, Boston uä, die niedlich aussehen, praktisch in Wohnungen und unter den Arm passen, im Bus mitfahren können und die auch neben dem eher unsportlichen Frauchen eine relaxte Figur machen. Die Zielgruppe ist schnell durchschaut für den Vermehrer und die lukrativen Rassen gehen in Produktion. Mutter Natur hat es so eingerichtet, dass Hündinnen und Rüden nicht lange bis zur Geschlechtsreife brauchen und Tragzeit und Aufzucht nur etwa 18-19 Wochen benötigen. Ach was – Welpen sterben auch nicht davon, wenn sie mit 6 Wochen schon von der Mutter getrennt werden. Sie fressen schließlich selbstständig feste Nahrung. Die Communities dieser „Hunde-Menschen“ – ich meine nicht die Liebhaber der genannten Rassen, sondern die „ich will ’nen kleinen Hund zum liebhaben Besitzer“ – die Communities dieser (Sie wissen schon!!) Menschen also, spielt sich eher bei eBay Kleinanzeigen und Online-Games ab. Hobbies haben selten noch etwas mit Natur zu tun. Weder in der Theorie – wie erfahre/erlebe ich meine Umwelt – noch in der Praxis.

Die Jagd nach dem Schnäppchen ist selbstbelohnend und der gesparte Euro der Jackpot – profane Instinkte. Gewiefte Vermehrer haben die passenden Strategien, den uninformierten und bequemen Interessenten da abzuholen, wo er ist. In seiner Welt ohne Fragen, ohne Zweifel. Praktisch, da so keine Diskussionen über die fehlende Mutter, den jünger als 8 Wochen aussehenden Welpen, der Verkauf aus dem Kofferraum eines Wagens an einer Raststätte, oder auch in einem Wohnzimmer das so aussieht, als hätte dort noch nie ein Welpe gespielt. Keine Fragen. Außer vielleicht nach dem Impfpass und den versprochenen Papieren. Keine Ahnung, ob sie in Ordnung sind. Geld und Welpe wechseln den Besitzer. Mit etwas Glück, wird der Welpe nicht krank, wie so viele andere, die aus so fragwürdigen Vermehrungsbetrieben kommen. Keine Probleme. Keine Fragen. Alles in Ordnung.

Mit etwas Pech, kommt der Welpe mit gefälschten Abstammungs- und Impfpapieren in sein neues Heim. Vielleicht krank. Vielleicht nicht nur ein bisschen krank, so dass man es in den Griff bekommt, sondern so krank, dass das neue Kuscheltier es nicht übersteht. Vielleicht ist das kleine Bündel seinen Leuten schon so ans Herz gewachsen, dass wenn schon am Kauf, so nicht am Tierarzt gespart wird. Sie erfahren – sie werden nicht gefragt, ob sie das möchten, sondern der Tierarzt wird es ihnen sagen – dass es vielen Welpen aus ähnlichen Herkunftsquellen so ergeht. Ob man sich denn vorher nicht informiert habe? Informiert? Ja aber, das habe man ja nicht gewusst und das habe auch niemand gesagt! Ja, so ist das wohl … Wenn es gut läuft, wurde in den Menschen damit ein Umdenken angestoßen. Wenn es schlecht läuft, fühlen sie sich als Opfer, das nichts falsch gemacht hat. Dann wird es beim nächsten Mal einfach ein Kaninchen.

Letztlich muss man wohl festhalten, dass es im Grunde gar nicht an Informationen mangelt. Sie sind überall zu finden, zu lesen, zu hören. Es mangelt am Interesse an Information und am Treffen von Entscheidungen.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass auch ein bewusster Welpenkauf aus Mitleid in keiner Weise sinnvoller ist. Egal, ob durch Unwissenheit oder fragwürdigem Mitleid – jeder Welpe, der Geld in die Taschen der skrupellosen Vermehrer spühlt, lässt die Produktion mit den zutiefst bemitleidenswerten Eltern weiter laufen. Jeder Kauf aus Dummheit oder Mitleid fördert aktiv Tierleid. Seien Sie sich dessen bewusst. Der Wunsch nach einem Schnäppchen-Welpen, oder dem scheinbar selbstbelohnenden Gefühl „wenigstens einen gerettet zu haben“- bitte hinterfragen Sie, ob Sie das wirklich möchten. Informieren Sie sich. Es ist nicht schwer. Wägen Sie ab und treffen auf Basis von Informationen Entscheidungen. Anfangs noch schwer und ungewohnt, werden Sie es bald mögen!

Mehr Fakten zum Thema:

FB Gruppe „Das Leid der Vermehrerhunde“

FB Gruppe „Wühltischwelpen – nein danke!“

 

 

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