Veröffentlicht in IN Hillbilly Pack, Zucht

Was du liebst, lass frei …

… auch wenn es dich zerbricht …

Es ist nicht das erste Mal, dass ich es von anderen Züchtern/Haltern höre und es ist leider auch nicht das erste Mal für mich. Aber es trifft mich diesmal nur so sehr, dass ich darüber berichten muss. Warum mir danach ist … ?

… weil es ein Schicksal ist, das viele Mehrhundehalter und damit auch eben oftmals Züchter kennen und teilen. Insbesondere, wenn ihre Hunde Haus und Hof mit ihnen teilen und nicht in „pflegeleichter“ Zwinger- oder Gruppenhaltung leben. Außenstehende interpretieren das oft als Versagen oder gar „Entledigung alter Zöpfe“.

Heute ist meine Libby ausgezogen. Zu lieben Menschen, denen ich mein ganzes Vertrauen schenke, in dem ich ihnen einen Teil von mir, einen Teil von meinem Herzen, meine Libby anvertraue. Seit der ersten Kontaktaufnahme vor wenigen Tagen, mit den Worten „könntet ihr euch vorstellen …?“, wollen meine Tränen nicht versiegen.

Libby wurde hier schon in meine Hand hinein geboren und war vom ersten Atemzug an MEIN Hund. Wo ich war, da war auch Libby. Einfach gestrickt und Aussie durch und durch – wachsam, aktiv, bereitwillig, distanziert. Kein Besucher, der nicht angekündigt wurde mit Spektakel und Verachtung. Wenige Besucher, die nicht innerhalb kurzer Zeit „dazu“ gehörten. Unterwegs immer dicht bei mir. Keine Beachtung für andere Menschen, Hunde oder gar Wild – immer nur bei mir. Mein Schatten und meine Sonne.

Libby ist für den Laufsteg bzw. den Showring geboren. Sie liebt es gepflegt, gebürstet und ausgestellt zu werden. Das erledigt sie mit einer fast aristokratischen Arroganz und Selbstverständlichkeit. Und mit ihrer unvergleichlichen Souveränität ist sie eine verlässliche Partnerin schon für die jüngsten Junior Handler und unersetzliches Teammitglied in unseren Seminaren.

Aber es kann die Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es der Chefin nicht gefällt. Man kann es wohl fast schon als „Familienfehde“ ansehen, da sich Ähnliches schon vor Jahren mit Libby’s Mutter zutrug – die Zwietracht zwischen ihr und Winni.

Winni ist Typ Everybody’s Darling und eine Menschenfreundin durch und durch. Nervenstark im Alltag und mit Mentalität und Temperament einer echt rheinischen Frohnatur. Es mangelt ihr aber zuweilen an Selbstbeherrschung, zumal bei Fiesematenten ua Rudel-Gemeinheiten. Den Larry, den Libby in ihrer arroganten Art dann raushängen lässt, bringt Winni gelegentlich so in Weißglut, dass es zu heftigem Streit bis hin zu verletzenden Beißeren kommt. So im vergangenen Jahr bereits dreimal geschehen mit glimpflichem Ausgang und für mich erklärlichen Anlässen. Nach Winni’s unvermeidbarer (Pyo) Kastration vergangenen Sommer und letztlich dann Libby’s geplanter letzten Herbst hoffte ich, dass dies die gewünschte und bitter nötige Entspannung in die offenbar meist hormonell bedingten Keilereien bringen würde. Es sah nun tatsächlich über ein halbes Jahr so aus, als ob meine Rechnung – und irgendwo auch letzte Hoffnung – tatsächlich aufgehen würde. Leider ist dem nicht so …

Vergangenen Mittwoch haben sich die Mädels so in die Wolle bekommen, dass Libby, Winni und Baby – da wird die Rudeldynamik ja schnell ganz groß geschrieben – teils ordentliche Blessuren davon trugen und Libby sogar unter Narkose eine Wunde genäht werden musste. Der Schock sitzt für uns sehr tief. Die Erkenntnis, dass auch diese Rechnung nicht aufgegangen ist, dass eine Zeit der Harmonie uns wieder hat nachlässiger im Beobachten werden lassen und die Machtlosigkeit, es selbst bei Anwesenheit nicht verhindern zu können, ist so bitter.

Nach ein paar Tagen fassungsloser Starre stand mein Entschluss fest, dass zum Wohle aller Hunde – der Stress zieht auf die ein oder andere Weise letztlich das ganze Rudel in Mitleidenschaft – eine Entscheidung getroffen werden muss. So nahm ich Kontakt zu ein paar mir geeignet erscheinenden und für mich immer nahen Menschen auf, um einen guten Platz für einen der beiden Mädels zu finden, um nicht irgendwann den Worst Case erleben zu müssen.

Warum nun die Wahl auf Libby und nicht auf Winni fällt fragen Sie? Nun … es macht keinen großen Unterschied für mich, ob die eine oder die andere ein Stück meines Herzens herausreißt. Wichtig ist, dass ich die richtige Konstellation für den richtigen Hund mit den richtigen Menschen finde und das ist mir gelungen – mit Libby eben.

Als Halter und auch insbesondere als Züchter, der immer wieder – alleine schon bei der Abgabe von Welpen oder Junghunden – in die Lage kommt, ist man leider dem uns Menschen eigenen Gefühl von Trauer und Verlust unterworfen. Hunde hingegen – zumal wenn sie es wieder gut antreffen – sind Großmeister des Opportunismus und schließen äußerst schnell ihren Frieden mit neuen Gegebenheiten. Und das ist gut so. Sie haben uns da viel voraus, ihr Leben zu erleichtern. Sie leben im Hier und Jetzt. Vermissen weder das Gestern, noch machen sie sich Sorgen um das Morgen. Beneidenswert in gewisser Weise.

Auch wenn meine Gedanken immer wieder um das Thema kreisen, was ich besser oder anders hätte machen können, so bin ich überzeugt, dass sich Hunde auch unter guter Führung ein gewisses Maß an unbestechlicher und unbeeinflussbarer Sympathie und Antipathie bewahren und wir dies wohl akzeptieren und damit umgehen müssen. Da für mich eine dauerhafte Trennung in Gruppen- oder gar Zwingerhaltung nicht in Frage kommt, sehe ich in der (rechtzeitigen) Abgabe eines meiner Schützlinge den einzig vertretbaren Ausweg. Wenn dieser mir auch das Herz zerreißt, meine Tränen schon seit Stunden nicht versiegen lässt und mich auch an meinem ganzen Tun und Wirken zweifeln lässt. Ist es das alles wert? Lebt eine hochwertige und engagierte Zucht und optimale Aufzucht nicht auch davon, dass ein entsprechender Bestand vorhanden ist? Kann man dies zB mit nur ein oder zwei Hunden erreichen und halten? Ist es verwerflich, so oder so zu denken? Sicher ein anderes Thema, was es zu einem anderen Zeitpunkt verdient hat, nochmals aufgegriffen zu werden. Heute sind meine Gedanken leer. Leer, bis auf meine Libby-Lu. Mein Herz. Mein Augenstern. So nah und doch so fern. Schlaf gut, meine Prinzessin. Ich hab dich lieb … Und danke Adeline!

Meist denkt man, es ist stark festzuhalten. Doch oftmals ist es das Losslassen, das die wahre Stärke beweist.

6 Kommentare zu „Was du liebst, lass frei …

  1. Hallo Elke,
    wunderbar geschrieben und mit sovielen wahren, ehrlichen Worten. Meinen allergrößten Respekt das du dieses schwere Entscheidung getroffen hast. Ich verstehe dich und kann es wirklich gut nachvollziehen.
    Ganz herzliche Grüße
    Sabrina Späker

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  2. „Manchmal denkt man, es ist stark festzuhalten, doch es ist das Loslassen, das wahre Stärke zeigt.“

    Mir lief gerade schon eine Träne runter, weil man dich sehr gut verstehen kann. Es ist mit soviel Gefühl und Liebe geschrieben und jeder der nur ansatzweise ein Herz hat, kann das sehr gut nach voll ziehen wie schwer Dir das gefallen sein muß.
    Meinen Respekt hast du und ich wünsche Dir ganz viel Kraft – aber es ist schön zu wissen das Libby ein schönes Zuhause mit lieben Menschen gefunden hat ♥
    Ela

    Gefällt 1 Person

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